Hände waschen, Abstand halten

29.04.20

Jede Zeit hat ihre eigenen Hygienevorschriften. Ein Blick in Quellen des 17. Jahrhundert zeigt, wie viel sich seither getan hat; und er zeigt, dass hygienische Standards ein Kulturgut sind, auf das wir stolz sein dürfen.

Im Jahr 1678 erließ Erzbischof Maximilian Gandolph Graf Kuenburg für seine Residenz- und Hauptstadt Salzburg die so genannte Sauberkeitsordnung. Ausgangspunkt war die Tatsache, dass „die Unflätigkeit / auch der Mißbrauch der offenen Strassen / und der darauß entspringende böse Geruch und andere Inconvenienz nicht allein viel schwere / und ansteckende Kranckheiten / und Ungelegenheiten verursachet“. Der ursächliche Zusammenhang zwischen mangelnder Hygiene und dem Auftreten von Krankheiten war längst erkannt, wobei die genauen Wirkungsweisen noch nicht bekannt waren. Bis in das 19. Jahrhundert hielt man schlechte Gerüche, so genannte Miasmen, für das eigentliche Übel.

Die Sauberkeitsordnung von 1687 verbot nicht nur öffentliche Verunreinigungen und Müllablagerungen, sondern regelte auch die Entsorgung von Unrat und andere Probleme im öffentlichen Raum. Sie war nicht die erste Ordnung dieser Art, aber sie behielt für einen sehr langen Zeitraum, bis zum Ende des Erzstifts Salzburg im Jahr 1803, ihre Gültigkeit.

Das Archiv der Erzabtei St. Peter besitzt ein Exemplar dieser gedruckten Sauberkeitsordnung und hat es nun digital verfügbar gemacht.

Ein Jahr nach Erlass dieser Ordnung erreichte Salzburg eine der frühneuzeitlichen Pestwellen. Die Pest stellte vom Mittelalter bis in das frühe 18. Jahrhundert eine latente Bedrohung dar, mit der die Menschen leben mussten. Der Salzburger Medizinhistoriker Leopold Öhler hat „Die Pest in Salzburg“ akribisch untersucht und für sein 2013 erschienenes Buch auch im Archiv der Erzabtei St. Peter recherchiert. Öhler schildert darin „die "laidige Contagion", wie die Pest auch genannt wurde, er erzählt vom Alltag während der Pestzeit, den Schwierigkeiten bei der Lebensmittelbeschaffung, der medizinischen Versorgung und den menschlichen Tragödien. Diese Katastrophe hat die damalige Gesellschaft nachhaltig geprägt, und viele Spuren sind bis heute sichtbar – so gibt es auf vielen Friedhöfen Gedenksäulen, die dem heiligen Sebastian und dem heiligen Rochus gewidmet wurden. Erstaunlich ist, dass wichtige Einrichtungen unseres heutigen Gesundheitswesens aus der Pestzeit stammen – das Gesundheitsamt oder das Epidemiegesetz, das Isolierung, Quarantäne, Raumdesinfektion oder Absperrung ganzer Gebiete regelt.“

Gerald Hirtner